Unsere Philosophie

„Waschen?... kann doch jeder!“

(Original-Ton einer Praktikantin, die uns nach dieser Aussage bald verlassen "durfte")


Stimmt! Aber das ist nicht Pflege. Und erst recht nicht gute Pflege.


Wir pflegen mit Begeisterung!

Dazu gehört für uns eine ganze Menge mehr als „nur" Waschen:

„Morgens bei Herrn R. beobachte ich meinen Patienten - das Hautbild, die Atmung, das Gangbild, die Mimik - und mache mir dazu Gedanken.

Meine Hände tun die manuelle Arbeit wie von selbst – sorgfältig waschen und abtrocknen, Hautpflege, behutsam ankleiden – nur soviel helfen, wie notwendig, damit der hochaltrige Herr seine Gelenke selbst noch aktiv bewegt und seine Muskeln wenigstens noch eine kleine Herausforderung haben. Er möchte und soll „aktivierend“ gepflegt werden – reine Vorbeugung. Damit er so lange wie möglich so selbständig wie möglich bleibt.

Beim Rückenwaschen und –abtrocknen lasse ich Herrn R. mehrfach tief ein- und ausatmen. Er kann danach ein wenig abhusten - Erleichterung.

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Währenddessen arbeitet mein Gehirn auf Hochtouren - Herr R. merkt davon gar nichts - und checkt alles ab: Warum hat der Patient bläuliche Verfärbungen an den Füßen, gepaart mit seiner schweren Atmung? Das ist neu. Was hat sich seit letzter Woche verändert? Ist das Muttermal nicht anders geworden, erhabener, dunkler, größer? Das Zucken beim Hinsetzen vorhin war eindeutig Schmerz, und es kommt immer öfter vor – weiß der Hausarzt davon?

Ich werfe einen Blick auf den aktuellen Medikamentenplan und sehe, dass der Arzt vorgestern ein Dauermedikament abgesetzt hat. Mache mir eine Notiz – „mit Arzt Rücksprache halten“.

Dabei plaudere ich angeregt mit Herrn R. über dies und das, er erzählt von seinen Enkeln.

Aber er wirkt zerstreuter, erzählt mir die gleiche Geschichte wie vorgestern, erinnert sich nicht mehr. Anders als sonst vergisst er auch, sich zu kämmen und das Rasierwasser aufzulegen – was ihm immer sehr wichtig schien.

„Notiz: Mit Kollegen austauschen, was haben sie in letzter Zeit beobachtet?“ Bahnt sich hier etwas an? „Beratungsgespräch mit Tochter führen über Möglichkeiten des gezielten Gedächtnis-Trainings“.

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Herr R. kann herzhaft lachen, als ich ihm von einer netten Begebenheit mit einer Kollegin erzähle. „Ach, die Christa,… die hab ich ja auch sehr gern. Aber ihr seid irgendwie alle prima, jeder auf seine Weise“.

 

Beim Verlassen des Bads ein letzter Blick zurück: Hängt das Handtuch ordentlich gefaltet am gewohnten Platz? Habe ich die Zahnpastatube auf das Waschbecken gelegt, damit Herr R. sie trotz eingeschränkter Beweglichkeit heute Abend gut erreichen kann? Alles in Ordnung.

Beim Verabschieden erinnere ich Herrn R. daran, dass ich die Medikamentendose, wie gewohnt, rechts auf den Küchentisch gelegt habe. Damit er die Einnahme später nicht vergisst.

Er schenkt mir ein strahlendes Lächeln – und wir beide freuen uns auf das nächste Treffen morgen.“